„Stephane´s“ VW1500 S VARIANT >KLEINER ONKEL<

Die VARI-Story

Als ich damals als kleiner Stöpsi auf dem Betriebshof meines Onkels, dass erste Mal habe ein Fahrzeug steuern dürfen, war ich ca. 11 Jahre alt.

Es war eine Form von Kinderbelustigung, um dem nörgelnden Kleinen die Zeit zu vertreiben.

Das Fahrzeug welches ich damals als kleiner Pimpf ein paar Runden auf dem Betriebshof rund um die Halle steuern durfte, war für mich ein „großer“ Lieferwagen eines Kunden, der sein Fahrzeug häufig auf dem Gelände abgestellt hatte und die Fahrzeugschlüssel im Zündschloss stecken ließ.

Es war ein VW 1500 S VARIANT in der Farbe weiß.

 

 

In den frühen 80igern wurde ich dann endgültig mit dem luftgekühlten Virus infiziert und kaufte mir meinen 1. Käfer (68iger, 1300er chinchilla von Opa Roman) für DM 750,- von meinem sauer verdienten Geld. Damals waren die Gedanken um den „Großen“ von VW zwar allgegenwärtig, weil die Fahrzeuge im Straßenverkehr noch präsent waren, doch das stand für mich als Führerschein – Neuling außer Frage. Waren diese Fahrzeuge doch für mich unerschwinglich. 

Anscheinend hatte mich dieses Erlebnis auf dem Betriebshof so geprägt, dass mich noch Jahrzehnte danach, wenn ich mal auf den vielen luftgekühlten Treffen in meinem Umland einen VW 1500S VARIANT zu sehen bekam, diese sehr beeindruckte und mir ein Lächeln entlocken konnte.

Oftmals habe ich auch nach diesen Fahrzeugen in einschlägigen Zeitschriften und später dann in Foren im Netz Ausschau gehalten, doch im Grunde hatte ich mit meinem aktuellen VW Käfer 1303S ein sehr gutes Los gezogen und die Gedanken an einen Kurzschnauzer-Lieferwagen schwanden dann auch schnell wieder.

Nun gab es Ende Juni 2018 ein Inserat, welches sofort mein Interesse geweckt hat.

VW 1500S VARIANT

– Bj. 1964,

– Tieferlegungs – Achsschenkel,

– Schräglenker – Hinterachse

– 5,5“+ 6“ x 15“ Fuchsfelgen

– 2,0 ltr. Typ4 – Motor

Es handelte sich um eine Verkaufsanzeige aus einem Forum für luftgekühlte Fahrzeuge aus dem Hause VOLKSWAGEN, die ebenfalls auch in der größten, lokalen Verkaufsplattform Deutschlands eingestellt wurde.

Das Fahrzeug befand sich im Hohen Norden von Deutschland.

Die Anzeige aus dem Netz hatte ich mir direkt geparkt. Ein VW 1500S VARIANT in der Farbe: PERLWEISS (L87) aus dem Jahre 1964. Unglaublich!

Auf den Fotos in der Anzeige fand ich den kleinen Lieferwagen schon auf dem ersten Blick klasse, da der Anbieter einige Umbauten am Fahrzeug durchgeführt hatte, die absolut meinen Nerv trafen. 

Hier die Fotos aus der Anzeige:

  

Ich schrieb den Verkäufer des Fahrzeuges an, bekundete Interesse und bat um weitere Detailaufnahmen und Info´s, wenn vorhanden!

Umgehend gingen 84 Aufnahmen aus allen Perspektiven, die das Fahrzeug visuell beschrieben, bei mir ein. Dazu kamen noch folgende Info´s, die mich noch mehr in den Bann eines 1500er VARIANT zogen:

 

„Das Fahrzeug wurde damals viele Jahre im Norden Schweden`s bewegt, einmal komplett lackiert und irgendwann in einer Scheune abgestellt.“

„Später gelang man praktisch als Scheunenfund an den kleinen Lieferwagen und holte das Fahrzeug zurück nach Deutschland.“

Das waren schon einmal aussichtsreiche Informationen die mich neugierig machten!

Es gab weitere Informationen zum Fahrzeug:

Als der VARIANT zurück nach Deutschland kam, nahm der Bruder des Verkäufers sich dem kleinen VARIANT an und wollte ihn als Familienfahrzeug verwenden.

Die Schrauber-Family stellte den Schweden jedoch etwas moderner auf die Straße.

Eine Schräglenker-Hinterachse in Verbindung mit entsprechendem Schräglenker – Getriebe („Kennbuchstabe DC“) stand zur Wahl.

An der Vorderachse wurden die Drehfederstäbe um ein paar Zähne versetzt, um ihn näher dem Asphalt zu bringen.

Dann spendierten sie dem VARIANT noch ein paar holländische Tieferlegungs – Achsschenkel, um die Fahrwerksgeometrie der Vorderachse wieder in Einklang zu bringen.

Damit der kleine Lieferwagen beim sportlichen „Um die Ecke flitzen“ nicht seine Fassung verliert, gab es für die Vorderachse „KONI ROT“ und an der Hinterachse „KONI GELB“, welche zusätzlich von „Cup-Streben“ unterstützt werden.

Deep SIX stehen gut im Radkasten

 

Für die Schrauber-Family kam natürlich nur ein Antriebsaggregat in Frage.

Es musste etwas aus dem Bereich „VW-Bus – T2“ und „VW-Bus – T3“ sein, welches den Schweden-Kombi vorantreiben sollte..

Somit sollte ein 2,0 ltr. Typ4 („Kennbuchstabe CJ“) irgendwie unter die Ladefläche des Squareback´s implantiert werden.

 

Bei dem 2,0 ltr. Projekt standen 40iger Dellorto auf dem Plan!

Die Abmaße der Dellorto – Vergasergehäuse waren schnell ermittelt und somit das Fixmaß. Also galt es den Fokus auf Ansaugrohre und Luftfilter zu richten, um den Motordeckel im Heck noch ordentlich zu schließen und der Flat4 schwingungsfrei seine Dienste verrichten kann.

Man entschied sich die Ansaugrohre zu kürzen, um Vergaser mit Luftfilter montieren zu können.

 

Neben den speziellen Eingriffen des Ansaugtraktes, kam dann noch der Neuaufbau des Rumpfmotors hinzu.

Folgende Arbeiten wurden durchgeführt:

  • CJ-Gehäuse wurde an der Lagergasse um + 0,5mm gespindelt

  • Passbuchsen am Mittellager gesetzt.

  • Standard – Kurbelwelle am Haupt- und Pleuellager auf -0,25 mm Untermaß gefertigt

  • WEBCAM 86 mit ca. 270 Grad und Ventilhub von 10,7 mm für eine gleichmäßige Leistungsentfaltung 

  • Serienmäßige Stösselstangen und erleichterte 115 gr. Stössel 

  • Kolben und Zylinder Kombination von Fa. CSP( leicht und haltbar) für das 2,0 ltr. – Konzept bedeutet: 94 x 71 mm geschmiedeter Mahle Komponenten

  • Pleuel mit geändertem (22 mm) Pleuelauge.

  • Zylinderköpfe stammen vom T 2 – Bus und wurden um 1,5 mm Zylinderseitig geplant

  • Kanäle leicht bearbeitet und Typ1 – SCAT –Ventilfedern halten die 41mm/37mm Ventile mit einer Kipphebelübersetzung von 1,3 : 1 dicht auf den Sitzringen

  • TSZH aus dem T3-Bus

  • Um die Kraft auf die Räder zu übertragen, entschied man sich für eine 215er Sachs-Kupplung und das 215er Serien – Schwungrades vom T3 Bus / VW 411/ 412

  • Gekühlt wird das Aggregat per T3 – Buskühlung bei 80´C – 110´C Öltemperatur (je nach Fahrweise).

  • Schalldämpfersystem Leistritz-Endschalldämpfer mit abgestimmten Rohrlängen (sonorer „BUS – VOPO – Sound“)

2011 befuhr die Familie mit dem kleinen, flinken VW VARIANT Deutschlands-Straßen.

Für einen luftgekühlten Enthusiasten ist es ein funktionelles Fahrzeug welches durchaus familientauglich ist.

Wenn da nicht der liebe Vierbeiner der Familie wäre…..!

 

Durch Wärmeentwicklung im Heck und den nach luftschnappenden Dellorto´s unter der Ladefläche, kam die Fellnase einfach nicht klar!

Es hatte einfach keinen Zweck, „Die Karre muss weg…. Der Wuffi muss bleiben!!!

 

Der schöne Schwede wechselte dann nach nur einer luftgekühlten Saison in die Hände des Bruders.

Tja…“Des einen Leid…des anderen Freud“.

So blieb der VW 1500S VARIANT wenigstens innerhalb der Familie.

Desweiteren wurden folgende Maßnahmen am Fahrzeuges getätigt:

  • Body-Off mit Konservierung
  • Batterie-Hauptschalter
  • Intervall Scheibenwischer
  • elektr. Wisch-Wasch-Pumpe
  • elektr. Benzinpumpe m. Sicherheitsrelais
  • Standheizung

…… und natürlich die Erhaltung des Kulturgutes.

Nach 6 Jahren Alltagstauglichkeit stand ein patinierter 64iger VW 1500S VARIANT in der Farbe: Perlweiss (L87) zum Verkauf.

 

Was für ein riesen Glück für mich!!!

 

 

Zwischenzeitlich holte ich mir alle Informationen zum Thema: Kurzschnauzer – Variant und bekam reichlich Hilfe aus dem Netz um sicher gehen zu können, dass ich nicht die „Katze im Sack“ kaufen sollte.

Die Fachleute nannten mir sämtliche neuralgische Stellen die ein Typ 3 aufweisen kann, die das Aus für den Deal bedeuten könnten.

„Lieber etwas mehr investieren und ein Komplett-Fahrzeug erwerben, wie günstig und im Nachgang mit erfolgloser Teilesuche das Projekt frühzeitig zu beenden, so rieten mir die Fachmänner aus der Typ 3 – Szene.“

 

Besichtigungstermin:

Mit den nötigen Informationen im Gepäck traten wir die Reise in den hohen Norden an. Nach 3,5 Stunden wurden wir vom Verkäufer in seiner großzügigen Schrauberhalle empfangen. Der kleine Lieferwagen stand bereits vor der Halle.

Erster Eindruck…… „Klasse“!

Wir machten uns mit dem Verkäufer Tobias bekannt und die Chemie passte auf Anhieb..

Frei heraus berichtete Tobias uns vom Fahrzeug und wir waren beeindruckt, dass es sich hier um ein Auto handelt welches bereits 54 Jahre auf dem Buckel hatte.

Weitere Fakten zum Fahrzeug:

  • Der Variant wurde bereits einmal komplett in Schweden lackiert. Das muss bereits Jahrzehnte her sein, weil der Lack schon wieder eine schöne Patina aufweist.

  • Das Fahrzeug bekam 2 neue Aussenschweller, die in Schweden eingeschweißt wurden.

  • Von der Bulli – Schrauberfamilie wurden beide Wagenheberaufnahmen eingeschweißt, nachdem sie das Häuschen vom Fahrgestell abgehoben haben. 3 kleine Durchrostungen (vom Format Briefmarkengröße) wurden Fachmännisch hergerichtet.

  • Schnittstellen zum Fahrgestell wurden großzügig mit Mike Sanders Korrosionsschutz behandelt

  • Der Typ 3 ist absolut komplett und verfügt über Sicherheitsgurte im Brustbereich (in Schweden üblich)

  • Das Interieur ist in original Bj.1964 Farbe: beige/ braun

  • Die Sitze sind in einem guten Zustand und der Unterbau ist ebenfalls in Ordnung

  • Tür- und Seitenpappen weisen keine Beschädigungen auf

  • Innenhimmel ist straff gespannt und weist keinerlei Beschädigungen auf

  • Der Variant hat vergrößerte Reflektoren am Heck (in Schweden üblich)

  • Eine Standheizung wurde dem Variant in Schweden spendiert

  • Außenspiegel sind dem Alter geschuldet im Bereich der Spiegelfläche nicht mehr vollständig in Ordnung. Fazit: Sehr rar und teuer!

  • Das Fahrzeug weist im Bereich der Frontmaske Steinschläge mit leichter Oberflächen-Korrosion auf. Das ist das typische Phänomen von Fahrzeugen die in Schweden gelaufen sind.  

Grund: Dort schafft man in den langen Wintermonaten mit Splitt Abhilfe gegen vereiste Fahrbahnen. Das wiederum zeichnet sich dann am Vorderwagen der Fahrzeuge durch Steinschlag ab. 

  • Dem kleinen Schweden sieht man natürlich auch seine Jahre an. Leichte Unebenheiten im Blechkleid sind zu erkennen, doch genau das zeichnet einen Daily Driver aus.

  • Es wurde an dem gesamten Fahrzeug auf Spachtelausbesserungen verzichtet. Das Blechkleid zeigt die ganze Wahrheit.

  • Der Frontscheibe ist ein Steinschlag zum Opfer gefallen. Der ist deutlich zu erkennen und befindet sich außerhalb des Sichtfeldes. (Verkäufer Tobias hat eine gebrauchte Frontscheibe dazu gelegt)

  • Türen und Hauben schließen einwandfrei

  • Fensterheber funktionieren tadellos

  • Ausstellfenster „hinten“ müssen ein wenig überarbeitet werden

  • Reflektor eines Hauptscheinwerfers ist korrodiert und gehört ausgetauscht

  • Stoßstangen sind wellig, doch vom Erhaltungszustand in Ordnung

  • Sämtliche Zierleisten am Fahrzeug schreiben durch Kratzer, leichte Dellen und sonstigen kleineren Deformierungen ihre Geschichten.

Keine Durchrostungen am Unterboden

 

Mit Steinschlag gezeichnete Front.    Standheizung im Gepäckabteil

 

Besonderheit: Drehzahlmesser            Tadelloser Dachhimmel

 

Fazit der Besichtigung:

Es handelt sich beim VARI um ein ehrliches Fahrzeug mit Gebrauchsspuren und einer schönen Patina. Durchrostungen sind an diesem Fahrzeug eine Fehlanzeige.

 

Probefahrt:

Play it loud!!

 

Dann machte der Verkäufer mit mir eine Probefahrt durch das hügelige Ost-Holsteiner Umland.

Der Typ3 mit seinem aufgeblasenen Typ4 startete einwandfrei und hielt trotz fehlenden Chokes bereits nach wenigen Sekunden seine Leerlaufdrehzahl.

Die Schaltung ist eher abenteuerlich, doch der Fahrzeughalter wusste genau wie er mit seinem Fahrzeug umzugehen hatte.

Der Flat4 hängt sehr gut am Gas und reagiert auf kleinste Gasstöße.

Das Schalldämpfersystem ist dicht so das keinerlei Auspuffpatscher zu hören sind.

Im allgemeinen rollt der VARIANT sehr ruhig und cruisen ist somit ein „muss“. Sollte man dennoch das Pedal kitzeln wollen, dann lässt sich der Motor sauber bis in die hohen Drehzahlen bewegen und eine sportliche Note ist sehr wohl an den Fahrleistung sowie am Geräusch der Doppelvergaseranlage zu erkennen.

Die Lenkkräfte sind trotz originalem 40igerPetri – Steuerrad groß und gewöhnungsbedürftig und die Bremsleistungen sind mit der serienmäßig verbauten Typ3 Scheibenbremse an der Vorderachse und den großen Trommeln an der Hinterachse gerade noch alltagstauglich.

Fazit der Probefahrt:

Nach umfassender Probefahrt war mir klar, dass genau dieses Fahrzeug mit den dazugehörigen Umbaumaßnahmen perfekt für mich ist.

Mir gefällt das 2,0 ltr. – Motorkonzept sehr und die Leistungsentfaltung des Drehzahlbereiches von 1200 – 6000 U/min sind ausgewogen und machen richtig Laune…..und das unter der Ladefläche eines VW VARIANT…..klasse!!!

Da haben die Bulli – Schrauber aus dem hohen Norden sich für den Lieferwagen etwas tolles einfallen lassen.

Was dann noch kam, waren die Formalitäten in Bezug auf Höhe des Kaufpreises und Ausstellen des Kaufvertrages.

Auch in diesem Punkt waren sich Verkäufer und Käufer sehr schnell einig.

Der Variant wurde wieder in die Garage geschoben und wir fuhren zurück in die Heimat.

Eine Woche später ging es erneut in den hohen Norden zum vereinbarten Termin der Fahrzeugübergabe.

Wir reisten diesmal per Bahn an. Die Anreise per Schiene war eine einzige Katastrophe. Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann auf den Standard der schlechten Performance der Deutschen Bahn.

Der Verkäufer holte uns standesgemäß mit einem T3 – Bus vom Bahnhof Lübeck ab und fuhr uns dann zur Bulli – Schrauberhalle.

Dort war soweit alles vorbereitet und so fuhren wir mit dem kleinen VARIANT die 350 km Richtung Heimat.

 

 

Schnell noch ne Tankfüllung SUPERPLUS und los geht´s!

 

Die Rückfahrt war super und der Schwedenlaster konnte zügig auf den Autobahnen bewegt werden.

Carspotting:  Kumpel Redjeans hatte uns auf dem Heimweg erwischt.

„Play it loud …sounds good!“

An diese Stelle möchte ich mich recht herzlich bei Tobias für die tolle Unterstützung und die unkomplizierte Vertragsabwicklung bedanken. Es hat riesig viel Spaß gemacht und der VW 1500S VARIANT ist in gute Hände geraten.

Weitere Aktivitäten die Rund um den VW1500S VARIANT entstehen, könnt ihr hier im TEUTONENTALK unter der Rubrik „Kleiner Onkel“ einsehen.

Synonym: „Kleiner Onkel

Kleiner Onkel war der Schimmel von einer kleinen Göre Namens Pippi Langstrumpf aus Schweden. Da auch der kleine Variant aus Schweden einige Flecken aufweist und ich diesen 1500 S ohne das einschneidende Erlebnis meiner Kindheit mit meinem Onkel sonst nie kennengelernt hätte, ist es somit mein „Kleiner Onkel“.

Bis dahin,

Stay Bluna

Stephané